Das Arbeitszeugnis: Der Tatort liegt zwischen den Zeilen…
«Zuverlässig, teamfähig, motiviert.» Wenn das alles ist, was in einem Arbeitszeugnis steht – wurde dann wirklich hingeschaut, oder einfach nur eine Vorlage ausgefüllt? Viele Arbeitszeugnisse in unserer Branche klingen wohlwollend und sagen dabei erstaunlich wenig. Bei einer Pflegefachperson reicht «sie arbeitete sorgfältig» schlicht nicht. Sorgfältig im Umgang mit Angehörigen? Bei Medikamenten? Unter Personaldruck in der Nachtschicht? Erst die Situation macht die Eigenschaft glaubwürdig. Das zeigt ein aktueller Beitrag von PersonalRadar (personalradar.ch): Ein Zeugnis ohne konkrete Aufgaben, Verantwortung und Verhalten ist kein beruflicher Fingerabdruck, sondern ein Abschiedszettel ohne Wert. Und was fehlt, ist oft aufschlussreicher als das, was dasteht: Fehlt bei einer Teamleitung jedes Wort zur Führung, fragt sich jede erfahrene Personalfachperson, was da eigentlich nicht funktioniert hat. Für uns als HR heisst das: Zeugnisgeneratoren und Textbausteine sparen Zeit, ersetzen aber nicht das genaue Hinschauen. Wer jahrelang Leistung eingefordert hat, sollte diese beim Austritt auch in Worte fassen können – gerade in Institutionen, wo persönliche Beziehung und Vertrauen die tägliche Arbeit prägen. Ein schwammiges Zeugnis ist selten nur ärgerlich für die austretende Person. Es ist auch ein Spiegel der eigenen Führungskultur.
